Windows 10 ESU im zweiten Jahr: Was die Kostenverdopplung für KMU bedeutet
Am 13. Oktober 2026 ist das erste Jahr der Extended Security Updates (ESU) für Windows 10 ausgelaufen. Seit dem 14. Oktober läuft Jahr zwei – und der Preis pro Gerät hat sich verdoppelt. Wer im Unternehmen noch Windows-10-Rechner betreibt und keine ESU-Lizenz für Jahr zwei aktiviert hat, bekommt für diese Geräte keine Sicherheitsupdates mehr. Gleichzeitig sorgt die Verlängerung des kostenlosen Verbraucherprogramms bis 2027 für ein gefährliches Missverständnis.
Die Fakten: Laufzeiten und Kosten der Windows-10-ESU
Der reguläre Support für Windows 10 endete am 14. Oktober 2025. Seitdem erhalten Geräte nur noch Sicherheitsupdates, wenn sie im kostenpflichtigen ESU-Programm angemeldet sind. Für Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist das Programm auf maximal drei Jahre begrenzt und wird jahresweise lizenziert. Microsoft nennt folgende Abdeckungszeiträume:
| ESU-Jahr | Zeitraum | Preis pro Gerät |
|---|---|---|
| Jahr 1 | 15.10.2025 – 13.10.2026 | 61 US-Dollar |
| Jahr 2 | 14.10.2026 – 12.10.2027 | 122 US-Dollar |
| Jahr 3 | 13.10.2027 – 10.10.2028 | 244 US-Dollar |
Laut Microsoft verdoppelt sich der Preis in jedem Folgejahr. Wer Geräte über Microsoft Intune oder Windows Autopatch verwaltet, zahlte für Jahr eins laut ChannelPartner einen reduzierten Preis von 45 US-Dollar. Voraussetzung für ESU ist Windows 10 in Version 22H2; berechtigt sind Enterprise, Education und Pro im gewerblichen Einsatz.
Der Haken für Spätentschlossene: ESU ist kumulativ
Wer erst jetzt einsteigen will, kann Jahr eins nicht überspringen. Microsoft stellt in den FAQ zum ESU-Programm klar: Wer in Jahr zwei kauft, muss Jahr eins mitbezahlen. Für ein Gerät, das bisher ungeschützt lief, fallen damit 183 US-Dollar an – für ein Jahr Sicherheitsupdates. Bei 40 Altgeräten sind das bereits mehr als 7.000 US-Dollar ohne einen einzigen neuen Rechner.
Was ESU nicht leistet
ESU liefert ausschließlich Updates der Schweregrade „Kritisch“ und „Wichtig“ nach Definition des Microsoft Security Response Center. Neue Funktionen, Fehlerbehebungen ohne Sicherheitsbezug und technischer Support sind nicht enthalten. Microsoft bezeichnet ESU selbst als „letzten Ausweg“ und Übergangslösung, nicht als Dauerzustand. Hinzu kommt: Hersteller von Branchensoftware, Druckertreibern oder Sicherheitslösungen stellen den Support für Windows 10 nach eigenem Zeitplan ein – unabhängig von ESU.
Missverständnis: „Windows 10 läuft doch bis 2027“
Im Juni 2026 hat Microsoft das Verbraucher-ESU-Programm bis zum 12. Oktober 2027 verlängert, in der EU ist es kostenlos. Dieses Programm gilt laut Microsoft und PC-WELT aber nur für private PCs mit Microsoft-Konto – nicht für Geräte, die in Active Directory oder Entra ID eingebunden oder per MDM verwaltet sind. Firmenrechner über das Verbraucherprogramm zu versorgen, ist weder lizenzrechtlich vorgesehen noch technisch verwaltbar.
Warum das ein Compliance-Thema ist
Ein Rechner ohne Sicherheitsupdates ist kein Kosten-, sondern ein Risikothema. Für Unternehmen im Anwendungsbereich von NIS2 verlangen die Risikomanagementmaßnahmen nach § 30 BSIG die Behandlung von Schwachstellen sowie Sicherheit bei Erwerb, Entwicklung und Wartung von Systemen. Ein Betriebssystem ohne Herstellerupdates lässt sich dabei kaum als „Stand der Technik“ begründen. Die Geschäftsleitung muss diese Maßnahmen billigen und ihre Umsetzung überwachen.
In ISO 27001 adressiert Control A.8.8 (Management technischer Schwachstellen) genau diesen Fall. Ein Auditor wird fragen, welche Windows-10-Geräte noch im Einsatz sind, ob sie ESU erhalten und bis wann sie ersetzt werden. Auch Cyber-Versicherer fragen im Antrag regelmäßig nach nicht mehr unterstützten Systemen – eine falsche Angabe kann im Schadenfall teuer werden.
Entscheidungshilfe: ESU, Upgrade, Ersatz oder Cloud-PC
1. Bestand ermitteln – ehrlich
Erfassen Sie jedes Gerät mit Windows 10: Arbeitsplätze, Produktions- und Messrechner, Kassensysteme, Konferenzraum-PCs, Rechner in Außenstellen. Notieren Sie pro Gerät, ob es Windows-11-tauglich ist (TPM 2.0, unterstützte CPU), welche Anwendung daran hängt und ob es ESU für Jahr zwei hat. Ein interner Schwachstellenscan zeigt zuverlässig, welche Systeme tatsächlich noch Windows 10 melden – auch die, die in keiner Liste stehen.
2. Upgrade, wo möglich
Geräte, die die Windows-11-Anforderungen erfüllen, sollten Sie direkt upgraden. Das kostet Arbeitszeit, aber keine Lizenzen – und spart ab Jahr zwei 122 US-Dollar pro Gerät. Testen Sie vorab kritische Fachanwendungen und Treiber in einer Pilotgruppe.
3. ESU nur mit Ablaufdatum
ESU ist sinnvoll für Geräte, die sich kurzfristig nicht ersetzen lassen – etwa Rechner an Maschinen mit zertifizierter Software. Kaufen Sie ESU dann bewusst und mit einem dokumentierten Ersatztermin. Prüfen Sie nach der Aktivierung des Lizenzschlüssels, dass die Geräte die Oktober-Updates tatsächlich erhalten haben; ein nicht aktivierter Schlüssel ist ein häufiger Fehler.
4. Cloud-PC als Alternative prüfen
Für Windows-10-Instanzen in Windows 365, Azure Virtual Desktop und Azure-VMs sind die ESU laut Microsoft ohne Zusatzkosten enthalten. Das kann für einzelne Altanwendungen eine Überbrückung sein – ersetzt aber keine Migrationsplanung.
5. Unverzichtbare Altgeräte isolieren
Was weder ESU erhält noch ersetzt werden kann, gehört in ein eigenes Netzsegment ohne Internetzugang und ohne Zugriff auf zentrale Systeme. Wie Sie das umsetzen, beschreibt unser Beitrag zur Netzwerksegmentierung. Dokumentieren Sie die Risikoakzeptanz und lassen Sie sie von der Geschäftsleitung abzeichnen.
6. Server nicht vergessen
Der erweiterte Support für Windows Server 2016 endet im Januar 2027. Wer jetzt die Client-Migration plant, sollte Server und Anwendungen wie Exchange gleich mitdenken – siehe unseren Beitrag zum Supportende von Exchange 2016/2019. Einen verbindlichen Prozess für Updates und Lebenszyklen beschreibt unser Artikel zum Patch-Management unter NIS2.
Fazit
Das zweite ESU-Jahr macht Windows 10 im Unternehmen spürbar teurer – und Jahr drei kostet noch einmal das Doppelte. Die eigentliche Gefahr sind aber nicht die Lizenzkosten, sondern Geräte, die seit dem 14. Oktober unbemerkt ohne Updates laufen, weil niemand die Verlängerung im Blick hatte oder man sich auf die Verbraucher-Verlängerung verlassen hat. Wer jetzt Bestand, ESU-Status und Ersatztermine klärt, erfüllt die Anforderungen aus NIS2 und ISO 27001 und hat eine belastbare Antwort für Auditor und Versicherer.
Quellen: Microsoft Learn, „Extended Security Updates (ESU) program for Windows 10“ und „Lifecycle FAQ – Extended Security Updates“; Microsoft Partner Center, ESU-Abdeckungszeiträume; ChannelPartner (03.03.2026); PC-WELT (27.06.2026); t3n (25.06./06.07.2026). Preise in US-Dollar laut Microsoft, Euro-Preise je nach Lizenzpartner. Stand: 27.10.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Wissen Sie, wie viele Windows-10-Geräte noch ungeschützt laufen?
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